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Die Geschichte der Karnevalsgesellschaft Rut-Wies
Balkhausen-Türnich 1946 — 2007
Seit nunmehr sechs Jahrzehnten organisieren und präsentieren die
Karnevalisten der KG Rut-Wies den Fastelovend in Balkhausen und Türnich.
Viele Jahre sind vergangen, seit bei „Knolly-Brandy“ die ersten
Gespräche zur Gründung einer Karnevalsgesellschaft geführt wurden.

Kostüm- und Maskenbälle wurden schon vor dem Krieg von den örtlichen
Vereinen veranstaltet. In den damaligen Sälen Schneider (Baumann) in
Balkhausen, der Konzertsaal in Türnich und auch Saal Lott in Brüggen
waren die zentralen Orte für das karnevalistische Treiben im Ort. Ein
einheitliches karnevalistisches Geschehen gibt es aber erst seit 1946.
Im Lokal Johann Schneider in Balkhausen wurde die Idee zur Gründung
einer neuen KG geboren und wenig später offiziell bekannt gemacht. Die
anwesenden Teilnehmer der Gründungsversammlung waren u.a.: Peter Büsdorf,
Mathias Büsdorf, August Firmenich, Karl Hemmelrath, Franz Lenzen, Jean
Löltgen, Josef Pleiß, Johann Schneider, Josef Schneider, Karl Schmitt,
Jakob Thomas und Fritz Wolf. In der schweren Nachkriegszeit waren die
Menschen glücklich, dass der Karneval wieder auflebte, und sich ein
Stück weit eine gewisse Normalität einstellte.

Die neue Gesellschaft etablierte sich immer mehr in der Öffentlichkeit.
Mit ihrem ersten Prinz Karneval, dem unvergessenen „Schmitte Karl“, an
der Spitze, wurden im Saal Schneider, dem Hauptquartier der KG, die
Fäden gezogen. Zwei Sitzungen unter der Leitung von Franz Lenzen,
die Prinzenproklamation und eine Damensitzung, präsidiert von Christel
Löltgen fanden großen Anklang bei der Bevölkerung. Die
Karnevalsbegeisterung in der fünften Jahreszeit breitete sich im Volk
weiter aus. Ein Tanzcorps wurde ins Leben gerufen, zunächst allerdings
nur mit Mädchen besetzt. Erst 1949 glückte dann die Gründung eines
gemischten Funkencorps. Dank der finanziellen Unterstützung durch die
Braunkohlenindustrie setzte sich der erfreuliche Trend fort. 1950 wurde
ein Fanfarencorps gegründet. Kommandant beider Corps war Jakob Weindel.
Die Begeisterung der Jecken in Türnich und Balkhausen war überwältigend
und es stellten sich weitere Erfolge ein. Es kam sogar zu Auftritten in
den Karnevalshochburgen der Stadt Köln und sogar beim 1. FC Köln. Die
Gesellschaft erlebte weitere erfolgreiche Jahre mit einer Vielzahl von
Veranstaltungen und Sitzungen, die zwischendurch von „Schmitze Mattes“
geleitet wurden. 1945 gestalteten die Ortsteile Türnich, Balkhausen und
Brüggen das Karnevalsgeschehen gemeinsam. Das „Fest in Rot“ gilt bis
heute als die schönste karnevalistische Veranstaltung. Der Gruß der
Karnevalisten lautete Ba – Tü – Brü Allaf. Die ausgesprochen harmonische
Blütezeit des karnevalistischen Treibens in den drei Ortsteilen hielt
jedoch nicht an. Das Tanz- und Fanfarencorps zerfiel und die
Veranstaltungen im Festzelt wurden mehr schlecht als recht über die
Bühne gebracht. Schließlich fanden gar keine Sitzungen mehr statt. Der
Karneval steckte in einer tiefen Krise.

Erst 1961, es war bei einem Empfang im Rathaus, fanden vor allem die
Rats-mitgliedern der Gemeinde Türnich Interesse am Karneval und es wurde
eine improvisierte, karnevalistische Ratssitzung abgehalten. Kein
Wunder, war doch seine Tollität Prinz Heinz I. (Heinz Wildenburg)
zugleich stellvertretender Bürgermeister der Großgemeinde Türnich. Ein
Jahr später zog zum vorerst letzten Mal ein Rosenmontagszug durch
Balkhausen und Türnich. Danach wurde endgültig pausiert – und es sollte
sechs lange Jahre dauern bis das karnevalistische Treiben wieder
einsetzte. Rolf Brähler, Heinz Wildenburg und Ulli Volk übernahmen die
Führung der Gesellschaft und gaben dem organisierten Karneval in der
Gemeinde neuen Auftrieb. Neue Ideen die im Vorfeld entwickelt wurden,
erhielten durch die Baupläne der jetzigen Erfthalle weiteren Antrieb.
Viele Karnevalsfreunde hatten den Wunsch, wieder einen Rosenmontagszug
durchzuführen, und gründeten unabhängig von der Karnevalsgesellschaft
die Interessengemeinschaft „Rosenmontagzug“. Der Karnevalsgesellschaft
drohte hierdurch allerdings Konkurrenz und der neue Vorstand der KG
suchte umgehend den Kontakt zur „Interessensgemeinschaft
Rosenmontagzug“. Mit Erfolg – „d`r Zoch“ lief zwar 1968 unter Initiative
der „Interessengemeinschaft Rosenmontagzug“, aber immerhin wieder unter
Mitwirkung der KG Rut-Wies durch Balkhausen und Türnich. Nach der
Session meldeten sich eine Vielzahl neuer Mitglieder in die KG - auch
Mitglieder der „Interessengemeinschaft Rosenmontagzug“ traten der KG
bei.

Zwischenzeitlich war der Neubau Erfthalle abgeschlossen und die Halle
konnte am 3. Februar 1968 ihrer Bestimmung übergeben werden. Ein neues
Tanz- und Fanfarencorps wurde gegründet - der 1. Auftritt erfolgte zum
25-jährigen Jubiläum der Gesellschaft. Die folgenden Jahre waren von
ständigen Wechsel und Neubesetzungen im Vorstand gezeichnet. Herbert
Bücken hielt das Vereinsgeschehen, allen Widrigkeiten zum Trotz in
Bewegung und wurde folgerichtig zum Vorsitzenden der KG gewählt. Bis die
Gesellschaft erneut in personelle Schwierigkeiten geriet vergingen, vor
allem für die Jecken, schöne Jahre. Aus gesundheitlichen Gründen konnte
Sitzungspräsident Hans-Josef Sausen nicht mehr alle Verpflichtungen
wahrnehmen. Herbert Bücken wandte sich wiederum an Heinz Gülden, einem
Mann, der bisher mit dem organisierten Karneval nichts zu tun hatte, und
bat ihn die Leitung der KG-Sitzungen zu übernehmen. Die Prunksitzung der
KG wurde ein Erfolg und die Zusammenarbeit mit der Barbaraschule
bewährte erneut. Da ein Dreigestirn fehlte, wurde kurzerhand ein
Kinderprinzenpaar inthronisiert. Die gute Verbindung zur Schule konnte
über Jahre aufrechterhalten werden. Die Prunksitzung segelte jetzt unter
dem Namen „Lachende Erfthalle“ und verlief erfolgreich. Erstmals nach
langen Jahren wurde wieder eine Damensitzung organisiert.

Auf Betreiben eines Türnicher Mitbürgers, der als Offizier in der
Kaserne „Butzweilerhof“ seinen Dienst versah, organisierte Literat Heinz
Wildenburg die 1. große Sitzung „Närrischer Butz“. In einer riesigen
Halle auf dem Kasernengelände brannte Präsident Heinz Gülden für über
1.500 Jecken ein karnevalistisches Feuerwerk ab. Der Erfolg der Sitzung
war so überwältigend, dass im nächsten Jahr bereits 2.000 Narren dem
Balkhausen-Türnicher Dreigestirn zujubelten. Herbert Bücken trat nicht
mehr zur Wahl an, wurde jedoch von der Versammlung einstimmig zum
Ehren-vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Erster Vorsitzender wurde
Norbert Schneider. Ihm und seinem Vorstand oblag es jetzt, die begonnene
Entwicklung fortzusetzen und die Jubiläumssession 1985/86 vorzubereiten.
In das erste Jahr des neuen Vorstandes fällt die Übergabe des Türnicher
Vereinszentrums an die Ortsvereine. Auch die KG erhält, in der
ehemaligen evangelischen Schule, dem Jakob Thomas Haus, hinter der
Erfthalle, jetzt eigene Räume, die von den Mitgliedern hergerichtet
wurden. Hierdurch erfuhr das Vereinsleben neue Impulse.
Geburtstagsfeiern, gemütliche Abende, Weihnachtsfeiern u. ä. wurden
jetzt im Vereinsheim durchgeführt. Die neue Session ging als
„Känguru-Session“ in die Vereinsgeschichte ein. Auslöser war der in
vielen Vereinen übliche Umstand „Woher die Finanzen nehmen?“ Irgendwann
fiel der Spruch: „Mit leerem Beutel große Sprünge machen“.

In den Jahren 1986 bis 1990 erlebte Balkhausen-Türnich erneut eine
karnevalistische Blütezeit. Sitzungspräsident Heinz Gülden übernahm 1987
den Vorsitz der KG. Zahlreiche Neuerungen, waren die Folge, sowohl
gesellschaftsintern als auch für die Öffentlichkeit in unseren Orten.
Die Rosenmontagszüge 1991 und 1992 standen unter keinem guten Stern.
Während 1991, bedingt durch den Golfkrieg, kein Rosenmontagszug
stattfand, mussten sich die Narren 1992 einem Orkan beugen. Die Strecke
des Rosenmontagszuges musste aus Sicherheitsgründen um die Hälfte
verkürzt werden. 1996 feierte die Gesellschaft ihr 50-jähriges Bestehen
– und mit dem Start in Jubiläumssession wartete die Gesellschaft, nach
vierjähriger Abstinenz, wieder mit einem Dreigestirn auf. Nach der
Session 1999 standen Neuwahlen an. Es wurde ein komplett neuer Vorstand
gewählt. Es war der jüngste Vorstand seit Bestehen der
Karnevalsgesellschaft Rut-Wies.

Im Jubiläumsjahr 2005/2006 dann wiederum ein Dèjàvu für die Gesellschaft
und es scheint als würde sich die Geschichte von 1986 wiederholen. Der
bisherige Vorsitzende Robert Schmitz steht für das Amt des Vorsitzenden
nicht mehr zur Verfügung. Die Mitgliederversammlung wählt nach
schwierigen Entscheidungsfindungen Günter Schmitz zum Vorsitzenden. Nach
einer erfolgreichen Jubiläums-Session tritt Günter Schmitz aus
persönlichen Gründen zurück. Nach Jahren wurde wieder etwas für die
närrische Damenwelt organisiert – und so startete im Januar 2006 eine
„Mädchensitzung“ die großen Anklang fand.

Und wieder einmal stehen Neuwahlen
im Vorstand an. Zum Nachfolger wurde Manfred Coenen zum Vorsitzenden der
Gesellschaft gewählt. Mit Ihm erhielt die Gesellschaft erneut einen Mann
der mit dem organisierten Karneval bis dahin nicht in Berührung gekommen
war. Das Jubiläum hat leider auch einen finanziellen Kahlschlag
hinterlassen, eben weil der Fiskus kein Karnevalist ist. Aber es geht
weiter und so heißt das Motto für die Session 2007/2008 „Uns Täsche sin
zwar leer, mer fiere trotzdem Fasteleer“.
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